STÖRUNGEN

Die Grenzen zwischen „normalem“ und „krankhaftem“ Verhalten und Empfinden sind fließend. Daher spreche ich an dieser Stelle über einige häufige Störungen, die in meiner Praxis vorkommen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

ADHS bei Erwachsenen

Die Aufmerksamkeits­defizit-/Hyperaktivitäts­störung (ADHS), auch in Form einer reinen Aufmerksamkeits­defizits­störung (ADS) auftretend, erschwert das Organisieren alltäglicher Aufgaben. Erwachsene mit ADHS bzw. ADS haben im Allgemeinen Schwierigkeiten damit, konzentriert bei aus ihrer Sicht uninteressanten Aufgaben zu bleiben, geplante Dinge zu Ende zu bringen und „unimpulsiv“ zu handeln. Auch sich auf längeres Reden anderer zu fokussieren, ohne eigene Beiträge einwerfen zu können, fällt nicht leicht.

Angst und Phobien

Angst ist zunächst einmal eine natürliche Emotion, die mit Gefühlen der Anspannung und Besorgnis sowie mit körperlichen Veränderungen wie z. B. beschleunigtem Puls oder Schwitzen einhergeht. Menschen mit einer Angststörung hingegen erleben wiederholte panikähnliche Angstzustände oder quälende, katastrophische Gedanken; bei einer Phobie ist die Angst konkret an Dinge oder Umstände gebunden. Um mit den Aufgaben des täglichen Lebens fertig zu werden, versucht man, die Angst auslösenden Situationen zu vermeiden.

Depression

Jeder von uns fühlt sich gelegentlich traurig. Eine Depression ist jedoch mehr als Traurigkeit. Depressive Menschen verspüren ein vermindertes Interesse am Leben, empfinden sich oft als freudlos und energielos, können sich nur schwer konzentrieren, fühlen sich manchmal wertlos oder schuldig und bewerten ihre Situation vielleicht als zunehmend auswegslos. Weitere Symptome können Schlafstörungen und Übermüdung oder der innere Rückzug aus dem familiären oder sozialen Umfeld sein.

Stress und Burnout

Stress kann eine vorübergehende Reaktion auf eine belastende Situation sein. Er kann aber auch zu einem länger andauernden und somit ungesunden Zustand werden, wenn die Ursachen in privaten bzw. beruflichen Beziehungen oder in Anforderungen von außen bzw. aus dem eigenen Innenleben liegen. Andauernder Stress kann zu emotionaler und sogar körperlicher „Ausgebranntheit“ führen: einem sogenannten Burnout.

Traumatisierung

Ein Trauma kann eine Reaktion auf ein schreckliches Ereignis im Leben sein, z. B. ein Unfall, Gewalt oder eine Naturkatastrophe. Nicht selten entsteht eine emotionale Traumatisierung aber durch wiederholte kleine Verletzungen von außen, oft schon in der Kindheit. Im erwachsenen Leben zeigt sich dies in unerklärlichen heftigen Emotionsausbrüchen wie Wut- oder Weinanfällen.

Störende Charaktereigenschaften

Manche Menschen fühlen sich immer wieder minderwertig, ängstlich, verletzbar oder gehemmt; andere handeln vielleicht impulsiv, arrogant, verletzend oder übertrieben unterhaltsam. Der Leidensdruck entsteht dadurch, dass diese Charaktermerkmale auch in unpassenden Situationen auftreten und somit das Erreichen eigener Ziele behindern. Solche Eigenschaften bestehen möglicherweise seit längerer Zeit und tendieren dazu, sich zu verfestigen.

Unerfüllte Sexualität

Sexuelle Störungen sind mehr als nur körperliche Symptome, sondern können bei beiden Geschlechtern auf vielfältige Art auftreten: beim sexuellen Verlangen, bei der sexuellen Erregung oder beim Anstreben eines Orgasmus. Hierfür findet sich in ärztlichen Untersuchungen möglicherweise kein Befund, dann wird eine Psychotherapie mentale Ursachen bzw. eigene Wünsche und Hemmungen erforschen, aber auch zwischenmenschliche Faktoren in Betracht ziehen.

Zwischenmenschliche Beziehungskonflikte

Reibungen zwischen Menschen können in allen Arten von Beziehungen auftreten: zwischen Partnern bzw. Eheleuten, zwischen Eltern und Kindern, oder am Arbeitsplatz zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern bzw. unter Kollegen. Wenn diese Spannungen sich in ähnlichen Mustern erkennbar wiederholen, dann lohnt es sich, das eigene Wirken auf die anderen von außen reflektieren zu lassen, z. B. in einem therapeutischen Setting oder in einer Therapiegruppe.

Paarkonflikte und multikulturelle Paare

Eine Herausforderung internationaler Paare ist, dass beide Partner sich nicht darauf verlassen können, sich wortlos zu verstehen. Zwar beruht jede Beziehung zwischen zwei Menschen auf dem Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen, dies hat jedoch bei multikulturellen Paaren neben der gegenseitigen Bereicherung noch ein erhöhtes Konfliktpotenzial. Daher können Paarkonflikte am besten durch Selbstreflexion und lösungsorientierte Kommunikation unter psychologischer Unterstützung geklärt werden.